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Donnerstag, 30. November 2017

Papierjunge - Christina Ohlsson



Leider konnte ich mit diesem Buch wenig anfangen, daher gibt es hier nur den Klappentext:

In der Nacht erwacht er zum Leben, erwählt ein Kind und verschwindet mit seinem Opfer in der Dunkelheit. Der Papierjunge. Eigentlich glaubt niemand an die jüdische Sagengestalt – bis an einem eiskalten Wintertag in Stockholm eine Erzieherin vor den Augen von Schülern und Eltern erschossen wird. Als wenig später zwei Kinder verschwinden, fragen sich die Ermittler Fredrika Bergman und Alex Recht, ob der Junge aus der Legende etwas mit den Vorfällen zu tun haben könnte. Die Ermittlungen führen Fredrika nach Israel, wo sie mit einem grausamen Verbrechen aus der Vergangenheit konfrontiert wird ...

Zwei Kinder werden erschossen, verschwinden und werden wenig später aufgefunden. Über ihren Köpfen Papiertüten mit aufgemalten Gesichtern. Die Ermittler glauben an den Zusammenhang mit einer jüdischen Sagengestalt und reisen nach Israel.
Hier hörte ich zu lesen auf, weil es mir zu sehr ins „phantastische“ abdriftete. Es mag vielleicht in der Realität Ritualmorde geben, aber in diesem Buch war mir alles etwas zu dick aufgetragen.
Die Geschmäcker sind verschieden und meinen traf dieses Buch leider nicht.


Das Cover ist äußerst ansprechend gestaltet, sonst hätte ich mich niemals für dieses Buch interessiert.

Infos:

Limes
Thriller
576 Seiten
Erschienen am 29. Februar 2016
ISBN 978-3734104343

Das Spiel - Opfer - Jeff Menapace



Um nicht zu viel des Inhaltes zu verraten, beschränke ich mich hier auf den Klappentext, der mich auf Anhieb davon überzeugte, das Buch lesen zu müssen:

Am idyllischen Crescent Lake im amerikanischen Hinterland ist die Welt noch in Ordnung. Vor der Kulisse des malerischen Sees findet sich in wild-romantischer Umgebung eine Siedlung von Ferienhütten. Hier will die Familie Lambert ihr Wochenende verbringen: Mit Fischen, Barbecue und Freizeitspielen. Auch die beiden Fannelli-Brüder haben sich zum See aufgemacht. Auch sie möchten das Wochenende genießen. Auf ihre Art. Mit Spielen. Bösen Spielen. Und ihre Mitspieler haben sie schon auserkoren …

Jeff Menapace hat es geschafft, mich vom ersten Satz an, an das Buch zu fesseln. Er beherrscht den Leser von Anfang an, indem er den Spannungslevel sehr schnell hoch treibt und ihn oben zu halten in der Lage ist, wie nicht viele seiner Kollegen.
Diese Hetzjagd trieb mich von Seite zu Seite, hielt immer neue Überraschungen für mich bereit und jedesmal wenn ich dachte, mehr geht nicht mehr, setzte er noch eine Spannungsspitze oben drauf.
Menapace hat einen recht einfachen, leicht nachvollziehbaren Schreibstil, der gut tut, wenn man eigentlich in einem Buch Entspannung finden will. Hier jedoch kommt man nicht dazu, sich zu entspannen. Nein, ich überlegte ernsthaft, ob ich jemals wieder irgendwo Urlaub machen möchte, wo nicht zu viel los ist, um den Schutz der anderen zu haben.
Getrieben vom hohen Spannungslevel kommt es im letzten Viertel zu einem Showdown, der zwar vorhersehbar, aber nicht weniger spannend war.


Diese etwas härtere Art eines Thrillers ist sicherlich nicht für jeden Leser etwas, aber mich hat er mitgerissen. Für zart besaitete Menschen ist er nicht geeignet. Das bin ich nicht, daher bekommt dieses Buch eine 100%ige Empfehlung von mir.

Infos:

Heyne Hardcore
Thriller
400 Seiten
Erschienen am 11. Juli 2016
ISBN 978-3453677072

P.S.: Der Blitz soll sie beim Scheissen treffen! - Erik Haffner, David Gromer

Zur Abwechslung habe ich mir mal ein Hörbuch gegönnt.

„P.S.: Der Blitz soll sie beim Scheißen treffen!“

Hier musste ich schon lachen, als ich den Titel las.
Also ließ ich mich davon beim Bügeln unterhalten.

Annette Frier und Max Giermann lesen Musterbriefe für alle Lebenslagen.
Ob es sich hierbei um Briefe an Versicherungen, bräsige Vermieter, aufdringliche Chefs usw. handelt, es findet sich für fast jeden Anlass zu dem sich der Empfänger taub stellt, gibt es einen geeigneten Musterbrief.

Launig vorgelesen, brachten mich diese Briefe dazu, Tränen zu lachen. Der Postbote, der die Post nicht abliefert, wird hierbei ebenso bedacht, wie die Versicherung, der man kündigen will, ebenso der Vermieter, der sich weigert die Bruchbude zu renovieren…. Alle bekommen den richtigen Text um die Ohren geschlagen.

Max Giermann ist meiner Meinung nach eher dazu geeignet, hier den Vorleser zu machen, als Annette Frier. Frier ist eine gute Kommödiantin, aber leider klingt ihr Lesen eher geleiert, als launig und akzentuiert gelesen.

Aber wichtig war vordergründig, dass ich beim Hören meinen Spaß hatte und diese CD gerne weiter empfehle. Besonders wenn man nebenher so leidige Dinge wie Bügeln oder Fensterputzen hinter sich bringen will. Aber auch auf einer längeren Autofahrt fühlt man sich gut unterhalten.


Zusammengestellt von Erik Haffner und David Gromer, die gute Arbeit geleistet haben. Das Cover der CD erscheint mir eher langweilig und verleitet nur aufgrund des Titels zum Kauf.

Infos:

Random House Audio
Random House Verlagsgruppe
Laufzeit: 1 Std. 15 Min.
ISBN 978-383-713-806-1

So seh ich das - Rohan Candappa



Die Welt eines Siebenjährigen. Pah
Rohan Candappa protokollierte das Wissen eines Einjährigen.
Über seine Eltern, in seiner Sprache Glattgesicht und Haargesicht genannt, über beissende Türen und Brei, der ekliger nicht sein könnte und nicht zu übersehen, die Sache mit der vollen Windel, dem seltsamen Dicken, in noch seltsamer Kleidung mit weissen Haaren im Gesicht, von dem er ein unerwünschtes Geschenk erhält und die wundersame Geschichte über das plötzliche Erscheinen eines Baumes im Wohnzimmer und die Frage, ob nun das Sofa in den Garten soll.

Rohan Candappa erzählt ein Jahr aus der Sicht eines Einjährigen, das voller neuer Dinge steckt. Das Laufenlernen, das Sprechen und die Gedanken, die er sich macht, wenn ihm etwas eher unverständlich erscheint. Natürlich verstehen ihn Glattgesicht und Haargesicht nicht immer, sodass es zu Missverständnissen kommen muss.
Der Autor schreibt flüssig mit viel Humor, der einem so manchen Lacher entlockt. Die Vergleiche mit den Wissenschaften, den er den Kleinen anführen lässt, sind teilweise so neunmalklug, dass man denkt, was für ein Klugsch… dieser Dreikäsehoch doch ist.
Schnell entführte mich Candappa in die Welt des Kleinen und liess mich eintauchen in dessen Erklärungen über die Welt, wie er sie sieht. In kurzen Kapiteln lässt er ein Jahr Revue passieren, von dem ich denke, dass es ein Einjähriger sicherlich ähnlich erlebt. Aber mit solchen Gedanken…. Na, ich weiß nicht.

Ein kleiner Auszug:

Eine offene und ehrliche Erklärung, warum ich manchmal mit der Nase Rotzblasen mache….. Weil ich es kann

Oder:

Vergesst Zippo-Feuerzeuge. Cola-Flaschen und Philip-Stark-Zitronenpressen!
Ich habe gerade einen echten Designklassiker entdeckt:
Mein Finger passt genau in mein Nasenloch

Diese und weitere Erkenntnisse, trieben mir die Lachtränen in die Augen und Candappa ließ mich zum Ende des Buches hin immer langsamer lesen.
Warum? Ich wünschte, dieses Buch würde nie enden.

Das Cover zeigt das Bild eines Kleinkindes von hinten, so unsicher, wie es zu laufen beginnt. Anonym von hinten, wie namenlos im Buch. Das Bild ist perfekt gewählt.

Von mir bekommt es eine unbedingte Leseempfehlung für Leute, die gerne Lachen.

Rohan Candappa lebt in London, wo er als Schriftsteller und Filmemacher tätig ist. Und wenn er nicht gerade arbeitet, dann versucht er sich als Heimwerker. Wie das Frau und Tochter sehen, ist leider nirgends nachzulesen.

Info:

270 Seiten
Weltbild Verlag
Erschienen 2000
ISBN 3-8289-7540-2

Mittwoch, 17. August 2016

Die Schwere des Blutes - Laura McHugh


Thriller

Vor sechzehn Jahren verschwand Lila, Lucys Mutter spurlos aus Henbane, einem verschlafenen Städtchen in Missoury.
Lila war wunderschön, aber bei den anderen Bewohnern Henbones als Hexe in Verruf. Daher kam es den meisten Einwohnern gerade recht, als Lila plötzlich spurlos verschwand. Als nun sechzehn Jahre später Cheri, Lucys Freundin spurlos verschwindet und bald darauf schrecklich verstümmel aufgefunden wird, möchte Lucy herausfinden, was geschah.
Sie stößt auf Zusammenhänge zwischen beiden Fällen, die sie ohne ihre intensiven Nachforschungen nie gesehen hätte. Als diverse Mitbürger und auch Verwandte Lucys merken, dass sie der Lösung des Rätsels nahe ist, beginnen diese zu mauern…

Laura McHugh verfaßte mit „Die Schwere des Blutes“ einen Roman über die Geschichte zweier mysteriöser Fälle, die ohne Lucy nie geklärt hätten werden können. Das Buch wurde dem Genre Thriller zugeordnet, wobei ich es eher als Kriminalroman oder als Roman einordnen würde, denn für einen Thriller fehlt mir hier der besondere Kick.
Mir fehlte über lange Strecken die in Thrillern übliche Spannung. Ebenso baute die Autorin sehr oft langatmige und somit ermüdende Passagen ein, die mich mehrmals in Versuchung brachten, das Lesen einfach abzubrechen und ein anderes Buch zur Hand zu nehmen. Letztendlich biss ich mich aber bis zur letzten Seite durch und stellte fest, dass ich meine Zeit hier total vergeudet habe.
Warum?
Das größte Rätsel blieb ungeklärt und einen richtigen Abschluss fand die Autorin leider auch nicht.

Verfasst ist dieses Buch in einfachen Sätzen sowie zahlreichen Zeitsprüngen, die teilweise überflüssig sind weil ohne sie die Geschichte zwar kürzer, aber vielleicht etwas spannender geworden wäre.

Angepriesen als scharfsinniges, abgründiges und eindringliches Lesevergnügen einer begnadeten Erzählerin, löste es bei mir nur gesteigertes Schlafbedürfnis aus.

Eine an sich gute Idee, einfach tot geschrieben. Schade, seit langem wieder ein Buch, dem ich keine Empfehlung aussprechen kann.

Buchinfo:

400 Seiten
Limes Verlag
Erschienen am 27. Juni 2016
ISBN 978-3809026433

Sonntag, 14. August 2016

Mascha, du darfst sterben - Wenn der Tod Erlösung ist - Antje May


Erfahrungen, Schicksale

Mascha ist 17 Jahre alt und hat ihr ganzes Leben noch vor sich, als ein schrecklicher Unfall aus diesem lebenslustigen Mädchen einen Pflegefall im Wachkoma macht.

Nach dem Tod des Teenagers reist ihre Mutter Antje May nach Finnland um dort Ruhe und zurück zu sich selbst zu finden. In diesen vier Wochen schreibt sie Maschas Geschichte vom Zeitpunkt des Unfalles bis zu ihrem Tod nieder.
Sie berichtet über die intensivmedizinische Versorgung, die Versuche der Rehabilitation, ihren Kämpfen mit Ärzten und Behörden um eine Lösung zu finden, ihre Tochter sterben und nicht zu einem lebenslang dahinvegetierenden Bündel Mensch werden zu lassen.

Antje May beschreibt ihren anfänglichen Kampf um Maschas Leben ebenso wie ihren Kampf, Mascha gehen lassen zu dürfen.
Ihre Tage und Nächte am Krankenbett ihrer Tochter und die teils menschenunwürdigen Behandlungsmethoden. Methoden, die Mascha am Ende nicht halfen, sondern sie nur unnötig quälten. Und schlussendlich den Kampf, Mascha in ein Hospiz bringen zu lassen, um ihr ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.

Teils sehr nüchtern, dann wieder überaus emotional verfasste Antje May die Geschichte ihrer Tochter vom Tag des Unfalles bis zu deren friedlichem Hinübergleiten in den gnädigen Tod.

Diese Geschichte entstand in der Zeit, in der die Autorin langsam mit Hilfe der Abgeschiedenheit an einem finnischen See zurück in ihr eigenes Leben fand.
Sie nimmt Bezug auf Vorgänge, OP- und Untersuchungsmethoden im Krankenhaus, die sie versuchte, in einfachen und für den Laien leicht verständlichen Worten zu erklären.

Im Nachwort geht sie speziell auf Ratgeber und Mitarbeiter zu diesem Buch ein und verweist auf diverse Anlaufstellen ebenfalls betroffener Eltern.

Die Geschichte Maschas ist keine leichtverdauliche Kost für den Zwischendurchleser. Sie bringt zum Nachdenken, ist teilweise brutal und schockierend, insbesondere wenn man selbst Kinder in diesem Alter hat.
Aber hinsichtlich des medizinischen Fortschrittes der letzten 30 Jahre und dessen Ausmaßes ist dieses Buch zu 100% empfehlenswert. Denn nicht alles was entwickelt und erforscht wird, ist unbedingt ein Segen für betroffene Patienten und dessen Angehörige.

Buchinfo:

192 Seiten
Gütersloher Verlagshaus
Erschienen am 25. April 2016
ISBN 978-3579086340

Sonntag, 7. August 2016

Gänseblümchen hat Gänsehaut - Silke Kasamas


Kurzgeschichten

Der Klappentext beginnt mit dem Satz „Humorvoll bis satirisch, manchmal nachdenklich oder auch romantisch“

Dieser Satz ist für dieses Buch über Frauen, die mitten im Leben stehen und doch so manche Katastrophe überstehen, perfekt gewählt.

Sei es die eine, die endlich mal wieder einen Wellnesstag einlegen möchte und dauernd dabei gestört wird und letztendlich ihrem Traummann mit ihrer Schokomaske im Gesicht gegenüber steht, oder diejenige, die den Garten ihrer Freundin auf Vordermann bringt und dabei den falschen Garten zu einer Traumoase macht, oder die gestresste Businessfrau, die sich mehr Ruhe gönnen sollte und im Yogakurs landet, sowie viele andere Frauen, die in dieser Sammlung aus Kurzgeschichten erscheinen.

Kurzgeschichten waren bisher nicht mein Ding. Ich liebe es, in „richtige“ Bücher einzutauchen und mich tagelang im Geschehen aufzuhalten. Dieses Buch von Silke Kasamas hat mich jedoch davon überzeugt, dass es mir auch richtig Spaß machen kann, Kurzgeschichten zu lesen. So manches Mal brach ich in schallendes Gelächter aus, schmunzelte und grinste über die Protagonistinnen, von denen mir jede einzelne auf ihre Weise ans Herz wuchs.

Die Autorin schafft es, auf wenigen Seiten Begeisterung zu wecken und gespannt auf die nächste Geschichte zu machen. Sie verfügt über eine herrlich lockere und freche Ausdrucksweise, sodass ich eine wahre Freude am Lesen hatte.

Sie wählte zum Einstieg in diese Kurzgeschichtensammlung Einsteins Satz
„Kreativität ist Intelligenz, die Spaß macht“
Ja, Kasamas ist kreativ und sie vermittelt Spaß am Lesen.

Der Aufbau ihrer Geschichten ist logisch nachvollziehbar und vor allem kann ich mir vorstellen, dass es bei manchen Frauen im Leben genau so abgeht. Traurige Szenen gibt es nicht, daher ist dieses Buch das perfekte Werk um abzuschalten und einfach nur mit einem kleinen Tick Schadenfreude das Leben anderer Revue passieren zu lassen.

Titel und Cover sind perfekt gewählt und zaubern dem Leser schon im Laden ein Lächeln ins Gesicht.


Guten Gewissens spreche ich „Gänseblümchen hat Gänsehaut“ meine 100%ige Empfehlung aus.

Samstag, 6. August 2016

Zwanzig Sekunden Ewigkeit - Siegfried Langer



Alex friert erbärmlich. Sie liegt auf einer Edelstahlfläche und ist nur mit einem grauen Hemd bekleidet. Als sie sich aufrichtet, sieht sie sich in einem Raum befindlich, der an den Kühlraum für Leichen erinnert.
An den Wänden große Schubladen, auf dem Boden ein Kärtchen an einer Drahtschlaufe mit ihrem Namen, dem nicht leserlichen Geburtsdatum und dem ebenfalls unleserlichen Sterbedatum. Sie findet einen Schrank mit Kleidung, die sie an ihre Kindheit erinnert, die jedoch ihre jetzige Größe hat.
Wie kam sie dorthin und warum ist sie eingeschlossen?
Sie schreit um Hilfe und wird nicht gehört und als sich die Tür wie von Geisterhand geöffnet hat, befindet sie sich in einem seltsamen Haus…

Dieses neue Buch von Siegfried Langer ist ganz anders als seine Vorgänger. Es hat nur ca. 150 Seiten und in einer Schreib- und Ausdrucksweise verfasst, die untypisch für diesen Autor macht. Das jedoch machte für mich den besonderen Reiz aus, mich in die Geschichte ziehen und fesseln zu lassen. Genau das passierte mit mir.
Zu Anfang war ich etwas verwirrt, denn wenn man von einem Autor alle Bücher gelesen hat, so hat man sich an seine Art zu schreiben und sich auszudrücken gewöhnt. Hier jedoch bricht Langer mit allem bisher von ihm Dagewesenem.
Teilweise in extrem kurzen und doch markanten Sätzen peitscht er den Leser durch das Geschehen. Lange wird ist nicht klar, worum es sich hier handelt. Ich stellte diverse Mutmaßungen während der Lektüre an, verwarf diese wieder und kam doch immer wieder zurück, um Neue anzustellen. Erst spät führt der Autor den Leser in die Richtung, die er selber beim Schreiben anstrebte, sodass man dieses Buch einfach in einem Rutsch lesen muss. Langsam beginnt man zu lesen, aber je weiter man ins Geschehen um Alex eintaucht, umso schneller will man wissen, was mit Alex wirklich los ist.
Dass Siegfried Langer nur drei Hauptprotagonisten hat, zeigt sein Talent, aus wenig viel zu machen. Die anderen Protagonisten spielen eine untergeordnete, wenn auch wichtige Rolle, der Focus bezieht sich jedoch nur auf Alex, Alexander und Dominik.

Den Spannungslevel setzt Langer bereits auf den ersten Seiten sehr hoch an, hält diesen lange Zeit auf diesem Level, um ihn dann am Ende nochmals steil ansteigen zu lassen.

Den einzigen Minuspunkt, den ich diesem Buch geben möchte, ist das etwas ungünstig gewählte Cover. Warum möchte ich nicht erwähnen, denn das würde zu viel über den Inhalt verraten.

Unblutig und doch spannungsgeladen kommt dieses neueste Werk aus Siegfried Langers Feder daher und zeigt, dass dieser Autor in der Lage ist, aus seinem Schema auszubrechen und sich neu zu erfinden.
Immer wieder bestätigt sich mir, dass ich bei diesem Autor noch nie einen Fehlgriff landete und immer wieder froh bin, nicht auf das Neueste von ihm zu verzichten.

Mit Zwanzig Sekunden Ewigkeit vollführte er bei mir eine zu 100% zu empfehlende Punktlandung.

Kindle edition
2045 KB
Amazon Media
ASIN B01JSEF4VS

Samstag, 23. Juli 2016

Gift - Ivo Pala


Thriller

In einem NATO-Stützpunkt an der deutsch-polnischen Grenze bahnt sich Schlimmes an.
Eine Kantinenmitarbeiterin verhält sich an diesem Tag besonders vorsichtig als sie die Milchkännchen auffüllt, das Müsli vorbereitet und vieles mehr. Sie arbeitet hochkonzentriert und weiß, dass sie ihren Feierabend nicht mehr erleben wird.
Ein hinterhältiger Giftanschlag soll die Soldaten töten, die kurz darauf in der Kantine ihr Frühstück zu sich nehmen.
Patrizia Hardt und Gernot Löw, Angehörige der nationalen Terrorabwehr stoßen bei ihrer Jagd nach den Drahtziehern auf Furchtbares. Sie finden heraus, dass auf ostdeutschem Boden versteckte Depots mit biologischen Waffen und gefährlichen Giften vorhanden sind. Dass es sich um tödliche Gifte handelt, sollen sie schnell herausfinden. Als sie die Terroristen bis nach Leipzig verfolgen, gibt es den ersten Todesfall. Als sie herausfinden, dass es sich um die Pest handelt, spitzt sich die Lage dramatisch zu.
Nach H2O hat Ivo Pala wieder ein heißes Eisen angefasst. Realitätsnah erzählt er in diesem Buch über einen Anschlag auf die deutsche Bevölkerung, um die Regierung Deutschlands und Russlands unter Druck zu setzen. Wer Ivo Pala kennt, weiß dass er nicht zu faul für ausgiebige Recherche ist und glaubt ihm jedes Wort dieses erschreckenden Thrillers. Er entführt den Leser in Kasernen, in Regierungsgebäude und lässt ihn Zeuge von Verbrecherjagd und Aufklärung eines Verbrechens werden, das einmal in Gang gekommen, ganze Landstriche an Menschen töten könnte.
Ein von Anfang an hoch angesetzter Spannungslevel wird vom Autor stetig nach oben getrieben, ohne zwischendurch abzusacken.
Zwar ist das Ende in einigen Punkten vorhersehbar, aber das ist nicht schlimm, denn trotzdem bringt Pala den Showdown perfekt ins Ziel.
Durch seine ausführliche Schreibweise, ist er sehr gut verständlich und nachvollziehbar. Jeder Thrillerfan wird begeistert sein und dieses Buch am liebsten in einem Rutsch lesen. So erging es mir, aber bei der Anzahl Seiten, wird es dann doch etwas länger dauern.
Das Cover ist wie bereits beim Vorgänger H2O perfekt in schwarz ohne großen Schnickschnack gewählt und spricht damit den Thrillerfan voll und ganz an.
Wieder ein Pala wie man Pala kennt, dem ich natürlich wieder meine 100%ige Empfehlung ausspreche.

Buchinfo:

448 Seiten
Blanvalet Taschenbuch
Erschienen am 20. April 2015
ISBN 978-3734101465

Donnerstag, 14. Juli 2016

Bluthatz - Richard Hagen

Kriminalroman

In den Kellern des Klosters Eberbach wird eine bestialisch zugerichtete Leiche gefunden. Den Fall lösen sollen die Staatsanwältin Inga Jäger, genannt die Jägerin und Kriminalhauptkommissar Kai Gebert, genannt Rübezahl.
Schnell ist mit Hilfe der Rechtsmedizin ermittelt, um wen es sich bei dem Opfer handelt. Es war ein hochrangiger Bürger von Eltville, für den der Bürgermeister in die Bresche springt und meint, die Ermittlungen behindern zu müssen. Nicht genug, dass es genügend Tatverdächtige, die es auszusieben gilt gibt, zu denen auch die Exfrau und die aktuelle Frau des Opfers zählen, muss nun auch auf die politische Ebene im Rheingau Rücksicht genommen werden.
Viele haben berechtigte Motive, jetzt gilt es aber den einen zu ermitteln, was sich zu Anfang als äußerst schwieriges Unterfangen für die Jägerin und Rübezahl zeigt.

Dies ist der zweite Krimi aus dem Rheingau mit Inga Jäger und Kai Gebert, den Ivo Pala unter dem Pseudonym Richard Hagen für seine Leserschaft ersonnen hat. Gleich auf den ersten Seiten ist es möglich, ganz tief ins Geschehen einzutauchen und von der Spannung mitgerissen zu werden.
So erging es mir. Ich mochte dieses Buch, zu dem Ivo Pala perfekt in den polizeilichen Mordermittlungen und den staatsanwaltlichen Tätigkeiten ermittelte, nicht zur Seite legen, bevor ich es nicht fertig gelesen hatte. Was jedoch bei der hohen Seitenanzahl nicht so einfach möglich war, womit Ivo Pala mich darin bestätigt, dass ein Buch unter 400 Seiten kein Buch, sondern ein Heft ist.
Das Spannungsniveau wird von Anfang an recht hoch angesetzt und flacht bis zum Ende hin nicht ab. Im Gegenteil, der Autor führt es stetig leicht ansteigend  nach oben, bis es seinen Höhepunkt in einem überraschenden Showdown findet.
Die rasante Schreibweise treibt den Leser von Kapitel zu Kapitel und lässt ihm kaum die Zeit, Luft zu holen. Das ist aber genau das, was einen guten Kriminalroman ausmacht, von denen es leider viel zu wenige auf dem Markt gibt.
Leider zäumte ich mit „Bluthatz“ das Pferd von hinten auf, weil ich nicht beachtete, dass es einen vorhergehenden Fall der beiden Ermittler gibt. Natürlich werde ich es nachholen, auch dieses Buch zu lesen.

Richard Hagen treibt den Leser durch einen Teil des Rheingaus, das er sehr detailverliebt erklärt, sodass man den Eindruck hat, selbst schon dort gewesen zu sein.
Seinen Protagonisten drückt Hagen ganz individuelle und doch sehr menschliche Stempel auf. Da wäre die Jägerin Inga Jäger, alleinerziehende Mutter mit alltäglichen Problemen und ihres Zeichens erfolgreiche Staatsanwältin, die in vorbildlicher Art und Weise in die Ermittlungen involviert wird und Kriminalhauptkommissar Rübezahl Kai Gebert, der alleinstehende, in die Tochter der  Staatsanwältin vernarrte Polizist, der seine Liebe zu der Staatsanwältin auch nicht verheimlichen kann.
Dieses allzu Menschliche macht mir diese beiden besonders sympathisch, obwohl die aufkeimende Beziehung der beiden nicht im Mittelpunkt steht, was auch gut so ist.
An der Darstellung der restlichen Mitwirkenden lässt der Autor erkennen, wie sympathisch sie ihm auch im wirklichen Leben wären. Man merkt, mit wie viel Empathie der Autor an seine Werke heran geht und das wirkt sich auf die Protagonisten ebenso wie auf die Handlung aus.
Das Cover wurde perfekt ausgewählt, zeigt es doch ein Tor in eine geheimnisvolle Welt, wie hier wohl in die Keller des Klosters Eberbach. Dass dieses Bild dunkel gehalten wurde, macht es besonders spannend, zu diesem Roman zu greifen.

„Bluthatz“ von Richard Hagen hat alles was ein guter Kriminalroman haben muss, daher kann ich meine vollste Empfehlung dafür aussprechen.

Buchinfos

416 Seiten
Blanvalet Taschenbuch Verlag
Erschienen am 17. März 2014
ISBN 978-3442383009